Das Projekt

(Laufzeit von Oktober 2009 bis Juni 2013)

Im Rahmen der Ambulantisierung ziehen in den letzten Jahren mehr Menschen mit geistiger Behinderung aus vollstationären Einrichtungen (wie z.B. Wohnstätten, Außenwohngruppen) oder aus ihrem Elternhaus in weniger umfassend betreute Wohnformen. In diesen Wohnformen bekommen sie in der Regel deutlich weniger Unterstützung als im stationären Wohnbereich oder Elternhaus. Damit einhergehend steigen die Anforderungen an diese Personengruppe deutlich an. Die Aufgaben, die sie allein oder mit weniger Unterstützung bewältigen müssen, nehmen deutlich zu.

Durch die veränderte Wohnform gewinnen Menschen mit geistiger Behinderung einerseits an Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Andererseits nehmen in Folge dessen auch Risiken, die durch mehr Freiheit und Unabhängigkeit entstehen können, zu. Ein sehr ernst zu nehmendes Risiko ist die Entwicklung von Suchtmittelkonsum. Suchtproblematik bei Menschen mit geistiger Behinderung war lange Zeit kein Thema in der Behinderten- und in der Suchthilfe. Hinweise aus beiden Arbeitsbereichen zeigten jedoch auf, dass sich Suchtmittelkonsum in dieser Personengruppe manifestiert. Über Prävalenz und Auswirkungen des Konsums lagen kaum gesicherte Daten vor. Aus diesem Grund wurde das „Modellprojekt Vollerhebung Sucht und geistige Behinderung in NRW“ konzipiert.

 

Ziele des Modellprojektes

Im „Modellprojekt Vollerhebung Sucht und geistige Behinderung“ wurde ermittelt:

- ob Menschen mit geistiger Behinderung Suchtmittel konsumieren,
- welche Suchtmittel sie konsumieren,
- ob es in dieser Personengruppe Folgeprobleme durch Suchtmittelkonsum gibt,
- wo in NRW bereits Hilfsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung und
- Suchtproblematik bestehen,
- welche Bedarfe aus Sicht der Befragten bestehen.
 

Die Vollerhebung

Die Untersuchung der Prävalenz von Suchtmittelkonsum bei Menschen mit geistiger Behinderung erfolgte im Rahmen einer Vollerhebung. Die Vollerhebung richtete sich an alle Einrichtungen der Behindertenhilfe und Suchthilfe in NRW und wurde als quantitative Online-Befragung im Zeitraum vom Mitte Januar bis Ende März 2011 anonym durchgeführt. 895 Fragebögen wurden ausgewertet; davon kamen 780 aus Einrichtungen der Behindertenhilfe und 115 aus Einrichtungen der Suchthilfe.

Ergebnisse der Vollerhebung zeigen auf, dass sich in der Personengruppe „erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung“ sowohl unproblematische und problematische Konsummuster als auch Suchtmittelabhängigkeit in Bezug auf legale und illegale Drogen manifestieren. Des Weiteren besteht innerhalb Einrichtungen der Sucht- und Behindertenhilfe Fortbildungsbedarf zum Thema „Sucht bei Menschen mit geistiger Behinderung“. Ebenfalls ist das Angebot an therapeutische und präventive Maßnahmen, die sich an den Bedarfen dieser Zielgruppe orientieren, noch unzureichend.


Die Datenbank

Während des Modellprojektes wurde diese Internetdatenbank konzipiert. Sie bietet Einrichtungen der Behinderten- und Suchthilfe die Möglichkeit, ihre Hilfeangebote für Menschen mit geistiger Behinderung (und Suchtproblematik) in die Datenbank einzupflegen. Die Datenbank bietet die Möglichkeit sich über (präventive) Hilfsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung (und Suchtproblematik) zu informieren.

Zusätzlich zur quantitativen Online-Befragung wurden mit 100 Menschen mit geistiger Behinderung Interviews geführt.

 

Der Abschlussbericht

Den Abschlussbericht "Prävalenz von Suchtmittelkonsum bei Menschen mit geistiger Behinderung in Nordrhein-Westfalen" [PDF 2 MB]
- Ergebnisse einer Vollerhebung in Einrichtungen der Behinderten- und Suchthilfe und Ergebnisse von Klienteninterviews  stellen wir Ihnen hier gerne als kostenlosen Download bereit.

 

Rahmenbedingungen des Modellprojektes:

Projektdauer: Oktober 2009 bis Juni 2013
Nach Projektende wird die Datenbank beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL-Koordinationsstelle Sucht, verortet.

Projektträger:

AWO Unterbezirk Ennepe-Ruhr
Neustraße 10
58285 in Gevelsberg
Projektleitung: Marja Kretschmann-Weelink
www.awo-en.de

Wissenschaftliche Begleitung:

Katholische Hochschule NRW
Abteilung Paderborn
Prof. Dr. Dr. Martin Hörning
www.katho-nrw.de

Das Modellprojekt wurde durch die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gefördert.
www.sw-nrw.de